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Gelbsucht beim Baby

Warum bekommen Babys nach der Geburt manchmal Gelbsucht?

Babys zeigen eine Gelbsucht, wenn der Wert des gelben Farbstoffes Bilirubin auf mehr als das Fünffache des Normalwertes ansteigt. Diese „normale" Gelbsucht finden wir bei 60 bis 70% der Neugeborenen mit einem Maximum am vierten Lebenstag und einer Dauer von etwa zwei Wochen.

Das gelbe Bilirubin entsteht aus dem Abbau von roten Blutkörperchen, welche den roten Farbstoff Hämoglobin enthalten. Die Lebensdauer der roten Blutkörperchen ist in der Neugeborenenphase von 120 auf etwa 70 Tage verkürzt. Daher fällt mehr Bilirubin an. Damit das Bilirubin den Körper verlassen kann, muss es in der Leber wasserlöslich gemacht werden. Dieser Prozess verläuft beim Neugeborenen aber noch verlangsamt. Schließlich kann bereits über die Galle ausgeschiedenes Bilirubin im Darm noch einmal aufgenommen werden und muss wieder über die Leber verarbeitet werden.

Etwas gelb zu sein, ist für das Baby nicht gefährlich. Im Gegenteil: Bilirubin bindet gefährliche Sauerstoffteilchen, die um die Geburt herum vermehrt entstehen. Nur wenn der Wert durch eine meist dahinter liegende Erkrankung zu hoch wird, besteht eine Gefahr durch den dann möglichen Übertritt des Farbstoffes in das Nervensystem des Kindes.

Der Verlauf der Gelbsucht wird neben der klinischen Untersuchung üblicherweise durch eine völlig schmerzlose Messung des Bilirubinwertes durch die Haut des Babys überwacht.

Um einer übermäßigen Gelbsucht vorzubeugen, soll das Baby möglichst früh und häufig an die Brust der Mutter angelegt werden. Dazu stabilisiert viel Hautkontakt mit der Mutter den Wärmehaushalt des Neugeborenen und spart wertvolle Energie. Steigt das Bilirubin dennoch zu hoch an, wird der Kinderarzt eine Phototherapie verordnen. Auch hier kann bei moderner Ausstattung das Baby bei der Mutter bleiben und soll häufig weitergestillt werden. Bleibt das Baby zuhause auch nach der zweiten Lebenswoche gelb – die Stärke der Gelbsucht lässt sich am besten an der mehr weißen oder gelben Farbe der Bindehaut der Augen ablesen –, sollten die Eltern Rücksprache mit dem Kinderarzt halten.

Dieser Artikel wurde bereits als Pressetext in der Kategorie "Die Ganze Woche - Österreichs Kinder- und JugendärztInnen beantworten Leserfragen" publiziert.

Dr. Andre Golser
FA für Kinder- und Jugendheilkunde, Neonatologie, Allgemeinmedizin,
Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
Stillberater IBCLC, Salzburg