Die Klimaveränderung und die Landnutzung begünstigen eine Zunahme und Ausbreitung dieser Raupe in Mittel- und Westeuropa. Mildere Winter erhöhen die Überlebensrate der Eier, warme Frühjahre beschleunigen die Larvenentwicklung und Trockenheit schwächt Eichenbestände.
Die schwarz-grauen Raupen sind zwei bis vier Zentimeter lang und haben eine helle, dichte Behaarung. Ab dem dritten Larvenstadium bilden die Raupen toxische Brennhaare aus. Sie brechen leicht ab, und der Wind kann sie bei trocken-warmem Wetter über weite Strecken verbreiten. „Mit ihren Widerhaken können sie sich u.a. in Schleimhäuten oder auf feuchten Hautstellen verfangen. Dort setzen sie das Reizprotein Thaumetopoein frei, das Überempfindlichkeitsreaktionen auslöst. Allergien, Hautausschläge, schmerzhafte Bläschen, Augenentzündungen und Atembeschwerden und im schlimmsten Fall ein allergischer Schock sind möglich“, erklärt PD Dr. med. Dipl. oec. troph. Sabine Scholl-Bürgi, Leiterin des Referats Nachhaltigkeit und Umweltschutz der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Das Risiko, in Kontakt mit den Brennhaaren zu kommen, ist von Mai bis September am größten. Kinder sind besonders gefährdet, weil sie häufiger Bodenkontakt haben, eine empfindlichere Haut besitzen und ihre Atemorgane noch nicht vollständig ausgereift sind.
Langanhaltende Belastung durch Brennhaare
Eine einzelne Raupe bildet im Laufe ihres Lebens etwa 857.000 Brennhaare, eine einzelne befallene Eiche kann mit bis zu 10 bis 24 Milliarden Brennhaaren kontaminiert sein. Darüber hinaus besteht die mögliche Gefährdung des Menschen durch Brennhaare, die über die Luft durch den Wind mehrere Hundert Meter verbreitet werden. Da die Brennhaare über mindestens 12 Jahre hinweg aktiv bleiben können, können sie sich in vom Eichenprozessionsspinner besiedelten Bereichen anreichern und somit eine anhaltende Gefahr für die Gesundheit darstellen.
Die Häutungsreste und Nester der Raupen können ebenso Hautreizungen und Fiebrigkeit verursachen. Es können sowohl nicht allergische als auch allergische Reaktionen zusammen auftreten. Hautreaktionen erscheinen üblicherweise unmittelbar oder bis zu 24 Stunden nach dem Kontakt mit den Borsten und können etwa 10 bis 14 Tage andauern.
„Im Falle eines Kontakts sollten Eltern ihr Kind gründlich duschen und die Haare waschen, Haut vorsichtig und gründlich mit Wasser ohne Seife abspülen, nicht reiben! Um den Juckreiz zu lindern, können Eltern die betroffenen Hautstellen kühlen. Kinder sollten vermeiden, sich zu kratzen. Die Kleidung sollte bei höherer Temperatur in die Waschmaschine und mit einem Extra-Schleuder- und -Spülen-Durchlauf gereinigt werden, um die Gifthaare unschädlich zu machen. Sollten dennoch allergische Reaktionen auftreten, sollten Eltern mit ihrem Kind zur Kinder- und Jugendärztin / zum Kinder- und Jugendarzt“, empfiehlt PD Dr. med. Dipl. oec. troph. Scholl-Bürgi, Geschäftsführende Oberärztin im Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Pädiatrie I, der Medizinischen Universität Innsbruck. Bei regionalen Warnungen gilt es, das betroffene Gebiet weiträumig zu umgehen.
Quellen:
- Deutscher Wetterdienst (DWD). Warnhinweis zu Brennhaaren. 27.05.2026.
- Halbig P, Delb H, Schopf A. Quantification of Urticating Setae of Oak Processionary Moth (Thaumetopoea processionea) and Exposure Hazards. International Journal of Environmental Research and Public Health. 2025; 22(9):1361.
- Hlásny T, Modlinger R, Gohli J, Seidl R, Krokene P, Bernardinelli I, Blaser S, Brazaitis G, Brazaitytė G, Brockerhoff EG, Csóka G, Dobor L, de Groot M, Duduman ML, Faccoli M, Georgieva M, Georgiev G, Grodzki W, Hartmann H, Hirka A, Hoch G, Jabłoński T, Jactel H, Jonsell M, Kolšek M, Melin M, Milanović S, Nețoiu C, Nieberg M, Økland B, Pernek M, Perunová M, Schafstall N, Schroeder M, Steyrer G, Vakula J, Wohlgemuth T, Ylioja T, Liebhold AM. Divergent Trends in Insect Disturbance Across Europe's Temperate and Boreal Forests. Glob Chang Biol. 2025 Nov;31(11):e70580.
- Hoch G. Der Eichenprozessionsspinner im Fokus. Bundesforschungszentrum für Wald 25.05.2025.
- Wiener Stadtgärten (Hg.): Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea). Wien, Stand Juni 2021.
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