„Abdominelle Migräne äußerst sich durch regelmäßige, plötzlich auftretende Bauchschmerzattacken, meist in der Gegend des Bauchnabels, die von Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerz, Blässe, Appetitverlust sowie evtl. Lichtscheu oder Lärmempfindlichkeit begleitet sein können. Eine Bauchmigräne ist zwar gutartig, doch beeinträchtigt sie Lebensqualität der Patient:innen und verursacht Fehltage in der Schule. Deshalb gilt es, frühzeitig Auslöser zu ermitteln“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Andreas Entenmann, Leiter der Arbeitsgruppe Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ).
Bei einer abdominellen Migräne kann eine Bauchschmerzepisode zwischen einer Stunde und bis zu drei Tagen andauern. Zwischen den Attacken können Wochen bis Monate ohne Beschwerden liegen. Für die Diagnose muss die Pädiaterin oder der Pädiater zunächst organische Erkrankungen ausschließen. Deutet alles auf eine Bauchmigräne hin, sollten betroffene Kinder mit ihren Eltern ein Bauchschmerztagebuch führen, um die individuellen Auslöser (Trigger) zu identifizieren. Stress, Schlafmangel, unregelmäßige Schlafenszeiten, Fasten oder das Auslassen von Mahlzeiten, zu wenig Trinken, Reisen (mit Reiseübelkeit), Sport, helle sowie flackernde Lichter oder bestimmte Nahrungsmittel kommen als Trigger infrage.
Schätzungsweise 1% bis 4% aller Kinder leiden unter einer abdominellen Migräne. Die Erkrankung wird jedoch vermutlich unterdiagnostiziert. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei vier Jahren, allerdings wird die Diagnose oft erst einige Jahre später gestellt. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass jüngere Kinder ihre Schmerzen noch nicht genau beschreiben können. „Entspannungsverfahren, kognitive Verhaltenstherapie und Hypnotherapie können die Beschwerden lindern. In einigen Fällen kann die Pädiaterin oder der Pädiater Schmerzmittel zur Linderung von akuten Attacken empfehlen sowie Medikamente, welche die Häufigkeit und Stärke von Schmerzepisoden positiv beeinflussen“, ergänzt Priv.-Doz. Dr. Andreas Entenmann, der in der Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie, Pädiatrie I, an der Medizinischen Universität Innsbruck tätig ist. Bei vielen Kindern bessern sich die Symptome im Jugendalter, ein Teil der Betroffenen entwickelt später klassische Migräne.
Welche Ursachen die Bauchmigräne hat, ist noch nicht geklärt. Im Verdacht stehen eine generelle Überempfindlichkeit des Darms, ungewöhnliche Darmbewegungen, eine verzögerte Magenentleerung oder eine genetische Veranlagung. Häufig stammen die betroffenen Patient:innen aus Familien, in denen gehäuft Migräne auftritt.
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