Darmkrebsfälle nehmen bei den jüngeren Altersgruppen zu

In den Vereinigten Staaten zeigt eine aktuelle Analyse der Darmkrebstrends eine besorgniserregende Verschiebung der Krankheitslast hin zu jüngeren Altersgruppen. Diesen Trend beobachten Expert*innen auch in Europa.

Die Gesamthäufigkeit von Darmkrebs ging seit 2013 stetig zurück, vor allem aufgrund des Rückgangs bei Erwachsenen ab 65 Jahren. Doch die Häufigkeit von Darmkrebs bei unter 65-Jährigen nimmt jedoch zu, wie der Bericht „Darmkrebsstatistik 2026“ zeigt. Der stärkste Anstieg ist bei den 20- bis 49-Jährigen zu verzeichnen.

Auch die Häufigkeit von Tumoren im distalen Dickdarm und Rektum, die im Allgemeinen als schwieriger zu behandeln und zu heilen gelten, nimmt nach jahrzehntelangem Rückgang wieder zu. „Die Situation bei Darmkrebs verändert sich rasant – sogar noch schneller, als ich erwartet hätte – und die Verlagerung hin zu mehr Krebserkrankungen in der jüngeren Bevölkerung schreitet schnell voran“, so Rebecca L. Siegel, MPH, leitende wissenschaftliche Direktorin für das Monitoring und Statistik der Krankheitslast bei der American Cancer Society (senior scientific director of surveillance research at American Cancer Society) und Hauptautorin des Berichts „Colorectal Cancer Statistics 2026.“

Beeinflussbare Risikofaktoren spielen eine Rolle

Die genauen Ursachen sind weiterhin unklar; laut Siegel lassen sich jedoch etwas mehr als die Hälfte aller Darmkrebserkrankungen auf potenziell beeinflussbare Risikofaktoren zurückführen. Dazu gehören Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, ungesunde Ernährung, übermäßiger Alkoholkonsum und der Verzehr von rotem oder verarbeitetem Fleisch. Viele Faktoren lassen sich von klein auf beeinflussen.

Eine Analyse der Darmkrebsentwicklung nach Geburtsjahrgängen zeigte, dass das Risiko in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sank, um 1950 seinen Tiefpunkt erreichte und dann mit jeder nachfolgenden Generation wieder anstieg.

Da die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Geborenen älter werden, hat jede Generation ein höheres Darmkrebsrisiko als die vorherige, „wodurch die Belastung wie ein Tsunami durch die Zeit wächst“, so Siegel.

Ähnliche Tendenz in Europa

Daten von 20 europäischen Ländern zeigten ebenso einen deutlichen Anstieg von Darmkrebs zwischen 2004 und 2016, mit Zunahmen von 7,9%, 4,9% bzw. 1,6% bei Personen im Alter von 20–29, 30–39 bzw. 40–49 Jahren. Die Raten stiegen am stärksten in der jüngsten Altersgruppe (20-29 Jahre) an, und die Autore*innen warnen davor, dass die Screening-Richtlinien möglicherweise überdacht werden müssen, wenn sich dieser Trend fortsetzt.

Die Forschenden werteten Daten von 143,7 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 49 Jahren aus 20 Ländern aus.

Quellen: healio, CA:Cancer Journal for Clinicians, ecancer, Colon