Herbst und Winter: Hochsaison für Mittelohrentzündungen – auch Allergien können eine Rolle spielen

Die Mittelohrentzündung (Otitis media) gehört zu den häufigsten Erkrankungen im frühen Kindesalter. Besonders in den Herbst- und Wintermonaten häufen sich die Fälle. Bei kleinen Kindern ist die Ohrtrompete, die das Mittelohr mit dem Nasen-Rachen-Raum verbindet, kürzer und flacher ausgerichtet als bei Erwachsenen. Dadurch können Krankheitserreger leichter ins Mittelohr gelangen.

„Meist sind Keime die Auslöser, doch auch Allergien können die Entwicklung von Mittelohrentzündungen begünstigen. Allergisch bedingte Schleimhautschwellungen können die Funktion der Ohrtrompete beeinträchtigen und dadurch Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr begünstigen“, erklärt Univ.- Prof.in Dr.in Angela Zacharasiewicz, MBA, Leiterin der Arbeitsgruppe Pneumologie und Allergologie der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Expert*innen diskutieren auch, ob allergisch bedingte Entzündungsreaktionen in den Schleimhäuten der oberen Atemwege deren Abwehrfunktion stören.

Eine aktuelle umfangreiche amerikanische Beobachtungsstudie (Laryngoscope 2026) zeigt beispielsweise, dass Mittelohrerkrankungen bei Kindern mit Milcheiweißallergie rund 18 % häufiger festgestellt wurden als bei Kindern ohne diese Allergie (35,2 % gegenüber 29,8 %). Ob die Allergie dafür ursächlich verantwortlich ist, lässt sich daraus nicht ableiten.

Kälte und trockene Luft können die Schleimhäute der oberen Atemwege belasten. Enger Kontakt in Innenräumen, etwa in Gemeinschaftseinrichtungen, begünstigt darüber hinaus die Übertragung von Viren und Bakterien.

Risiko mindern

„Impfungen gegen Pneumokokken und Grippe sowie eine RSV-Prophylaxe können das Risiko für Mittelohrentzündungen senken. Sie schützen zugleich vor Erkrankungen, die besonders bei Säuglingen und Kleinkindern schwer verlaufen können“, betont Univ.- Prof.in Dr.in Zacharasiewicz, die der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde der Klinik Ottakring in Wien vorsteht.

Diese Schutzmaßnahmen sind für Kinder empfohlen:

  • Die Influenzaimpfung ist ab dem vollendeten 6. Lebensmonat empfohlen und sollte idealerweise jährlich ab Anfang November erfolgen. 
    Bei der ersten Influenzaimpfung vor dem neunten Geburtstag sind grundsätzlich zwei Dosen im Abstand von vier Wochen vorgesehen, danach nur die einmal jährliche Auffrischung.
  • Kinder, die zwischen 1. April und 30. September 2026 geboren wurden, sollten im Herbst vor der ersten RSV-Saison ihre RSV-Immunisierung erhalten. 
  • Bei Pneumokokken sollte Impfserie (3 Impfungen) möglichst früh ab vollendeter sechster Lebenswoche, spätestens bis vollendetem dritten Lebensmonat beginnen - die zweite Dosis sollte das Kind acht Wochen später, die dritte Dosis mit 11–15 Monaten und mindestens sechs Monate nach der zweiten bekommen. Frühgeborene erhalten vier Dosen.

Gestillte Kinder haben ebenso ein geringeres Risiko, an einer Mittelohrentzündung zu erkranken. Muttermilch enthält viele Substanzen, die vor einer Vielzahl von Krankheiten und Infektionen schützen. 
Da Passivrauch die Anfälligkeit für Mittelohrentzündungen erhöht, sollten Eltern auf eine rauchfreie Umgebung achten.

Anzeichen erkennen

Vermehrtes Weinen, besonders im Liegen, unruhiger Schlaf oder Hörprobleme, Fieber oder Kopfschmerzen und Flüssigkeitsaustritt aus den Ohren sind mögliche Anzeichen für eine Mittelohrentzündung.
„Anhaltende oder wiederkehrende Mittelohrerkrankungen können das Hörvermögen beeinträchtigen. Bleibende Hörschäden sind möglich, bei einer unkomplizierten akuten Mittelohrentzündung jedoch selten. Deshalb sollte man bei Ohrenschmerzen immer eine Kinder- und Jugendärztin / einen Kinder- und Jugendarzt zurate ziehen“, rät Univ.- Prof.in Dr.in Zacharasiewicz.

Im Mittelpunkt steht die Schmerzlinderung mit einem altersgerecht dosierten Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen. Ob zusätzlich ein Antibiotkum erforderlich ist, entscheidet die Fachärztin oder der Facharzt anhand von Alter, Befund und Verlauf.

Seltene, aber schwere Komplikation: Ausbreitung auf den Schädelknochen

Eine gefürchtete Komplikation einer Mittelohrentzündung ist die Ausbreitung der Infektion in die lufthaltigen Kammern des Schädelteils, das hinter den Ohren liegt (Mastoiditis). Bei Schmerzen, Rötung oder Schwellung hinter dem Ohr, insbesondere mit abstehender Ohrmuschel, ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich. Eine akute Mastoiditis wird im Krankenhaus behandelt.

Da Kinder häufiger an einer Mittelohrentzündung erkranken, sind sie auch öfter als Erwachsene von einer Mastoiditis betroffen, insbesondere im Alter zwischen 2 und 3 Jahren.

Quellen:

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Dies ist eine Pressemeldung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.at. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des ÖGKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.