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Je früher Raucherkarriere beginnt, desto höher ist Sucht- und Krankheitsrisiko

Bei Heranwachsenden entwickelt sich eine Nikotinabhängigkeit schneller und nachhaltiger als bei Erwachsenen.

© tibanna79 - Fotolia.com

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„Wer früh mit dem Rauchen beginnt, bleibt in der Regel nikotinabhängig und gehört tendenziell auch eher zu den starken Rauchern im Vergleich zu denjenigen, die später Zigaretten ‚probieren‘. Zudem reagiert der jugendliche Körper noch viel empfindlicher als ein erwachsener auf die Gifte im Zigarettenrauch. ‚Frühstarter‘ haben ein höheres Risiko, im Laufe ihres Lebens eine chronisch obstruktive Bronchitis bzw. COPD, Arteriosklerose, Bluthochdruck und Krebs zu entwickeln, einen Herzinfarkt und Schlaganfall zu erleiden“, warnt Univ.-Prof. Dr. Zsolt Szépfalusi von der Univ.-Klinik Wien, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde mit dem Spezialgebiet Pädiatrische Pulmologie und Allergologie.

„Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht hatten, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen, unter anderem Asthma bronchiale, Mittelohrentzündungen, Hyperaktivitätssyndrome, Lernschwierigkeiten und vieles mehr“, berichtet Priv. Doz. Dr. Angela Zacharasiewicz, MBA, Oberärztin der Pädiatrische Pneumologie und Leiterin CF Ambulanz, Abteilung für Kinder und Jugendheilkunde am Wilhelminenspital Wien Lehrkrankenhaus der Universität Wien.

Österreichische Jugend raucht mehr als EU-Durchschnitt

Der ESPAD-Erhebung (European School Survey Project on Alcohol and other Drugs) zufolge haben rund 50% der Jugendlichen in Österreich bis zum 15. Geburtstag nach eigenen Angaben erste Nikotinerfahrungen gemacht und jeder fünfte zwischen 14 und 17 Jahren raucht demnach täglich. Die Raucherquoten (in den letzten 30 Tagen geraucht) der 15- bis 16-Jährigen sind in den meisten EU-Ländern seit 2007 bis 2015 erfreulicherweise zurückgegangen. Österreich lag mit einer Quote vom 28% aber immer noch über dem Durchschnitt Europas (etwas über 24%).

Eltern haben Vorbildfunktion

Gleichaltrige gewinnen zwar mit zunehmendem Alter der Kinder an Bedeutung, aber Eltern haben bis dahin und selbst bei Jugendlichen noch Vorbildfunktion – auch in Bezug auf das Rauchen. Heranwachsende im Alter von 10 bis 12 Jahren, deren Eltern rauchen, verbinden mit dem Rauchen eher Positives und sind auch anfälliger dafür, bereits im Alter von 12 Jahren eine Zigarette zu „probieren“. „Bevor Kinder gleichaltrigen Rauchern ausgesetzt sind, stellt das Rauchen der Eltern einen Risikofaktor für die Entwicklung eines positiven Raucherbildes und den Beginn des Rauchens dar. Das Wissen um die schädlichen Auswirkungen - nicht nur in ferner Zukunft, sondern auch unmittelbar - hilft den Einstieg zu erschweren“, so Univ.-Prof. Szépfalusi, der auch Leiter der AG Pneumologie und Allergologie von der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) ist. So verschlechtert sich beispielsweise die Durchblutung der Haut und damit auch das Hautbild. Rauchen hinterlässt einen typischen unangenehmen Geruch und erhöht in Kombination mit der Pille das Thrombose- und Lungenembolierisiko. Beim Sport wird der Körper weniger leistungsfähig, das Atmen fällt schwerer. Dass Zigaretten Giftstoffe, wie Arsen, Blei, Cadmium, Blausäure, Formaldehyd, Nitrosamine oder Polonium-210 enthalten, haben wenige Teenager vor Augen. Der Kinder- und Jugendarzt kann Eltern bei der Aufklärung unterstützen. 

Auch E-Zigaretten sind nicht harmlos

E-Zigaretten nutzen insbesondere junge Menschen in Österreich. Sie dienen als Einstiegsdroge in die Nikotinabhängigkeit und sind insbesondere in Amerika schon eine echte Epidemie unter Jugendlichen geworden. Es wird gezielt Werbung, die auf den Geschmack Jugendlicher abzielt, betrieben“, sagt Priv. Doz. Dr. Zacharasiewicz. Erwiesen ist, dass sie die Funktion der Lunge und der Atemwege beeinträchtigen und das Risiko für Asthma und chronische Bronchitis stark erhöhen. E-Zigaretten begünstigen, ähnlich wie herkömmliche Zigaretten, längerfristig Herz-Kreislauf- und Lungen-Erkrankungen.

Angesichts der Tatsache, dass das Rauchen bei Jugendlichen in mehreren Ländern mit fortschrittlichen Tabakkontrollprogrammen auf einem historischen Tiefstand ist, äußerten einige Experten die Befürchtung, dass E-Zigaretten diesem Trend entgegenwirken.
Seit Anfang 2019 ist der Jugendschutz österreichweit weitgehend einheitlich geregelt. Rauchen bzw. der Konsum von Tabakerzeugnisse, E-Zigaretten und (E )Shishas ist für Jugendliche unter 18 Jahren verboten. Dies gilt ebenso für den Erwerb und Besitz dieser Produkte.

Quellen (12.02.20)

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Dies ist eine Pressemeldung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.at. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des ÖGKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.