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Kinder- und Jugendrehabilitation kann belasteten Kindern insbesondere während Corona-Krise helfen

Die Corona-Krise belastet viele Kinder und Jugendliche stark und kann bereits bestehende Probleme noch verstärken. Aus einer depressiven Stimmung kann sich eine Depression entwickeln. Dicke Kinder laufen Gefahr, noch mehr zuzunehmen. So ist die Zahl der fettleibigen Kinder seit der Pandemie sprunghaft angestiegen.

Belastete und/oder chronisch kranke Kinder und Jugendliche sollten deshalb eine bereits empfohlene Reha-Maßnahme jetzt wahrnehmen oder eine zeitnahe Reha planen. Denn Reha-Kliniken weisen umfassende Hygienekonzepte auf, sodass Eltern und Kinder gut vor einer Ansteckung geschützt sind. Darüber hinaus sind viele Einrichtungen nicht voll ausgelastet. Mittlerweile 5 der 6 geplanten Rehabilitationszentren für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Erkrankungen in Österreich zur Verfügung.

Schulische Leistung des Kindes kann profitieren

Reha-Kinder können einzeln oder in Kleinstgruppen Unterricht erhalten und so evtl. Versäumtes aufholen. Und selbst Homeschooling lässt sich in den Reha-Einrichtungen gut verfolgen. Eine mehrwöchige Rehamaßnahme kann nicht nur den Gesundheitszustand von Kindern mit bestimmten Beschwerden deutlich verbessern, ihnen den Umgang mit einer chronischen Krankheit erleichtern, sie seelisch stärken und ihnen neue Perspektiven öffnen, sondern sie auch in der Schule wieder Fuß fassen lassen.

Ein Rehaaufenthalt ist für Kinder mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge (z.B. Asthma), des Stoffwechsels (Angeborene Stoffwechselstörungen wie z.B. PKU und Galaktosämie, Lysosomale Speicherkrankheiten, Diabetes mellitus, krankhaftes Übergewicht), des Verdauungstraktes (Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen), mit psychischen oder psychiatrischen Erkrankungen und des Bewegungstraktes sowie bei einer Krebserkrankung erstattungsfähig.

Unkomplizierte Antragstellung

Befürwortet der Kinder- und Jugendarzt, ein anderer Arzt oder eine behandelnde Klinik eine Rehamaßnahme, muss dies zunächst in einem medizinischen Befundbericht begründet werden. Der Antrag zur Rehabilitation wird dann beim zuständigen Sozialversicherungsträger gestellt. Die entsprechenden Formulare können auf der Website der Österreichischen Sozialversicherung www.sozialversicherung.at oder www.hauptverband.at ausgefüllt und heruntergeladen werden. Nach der Genehmigung erstatten die Krankenversicherungsträger die Kosten für die Rehabilitation in einem Kinder- und Jugendrehazentrum für den Patienten und eine Begleitperson.

Keine Angst vor Heimweh

Kinder müssen nicht unter einer Trennung von ihren Eltern leiden, denn bis zu einem Alter von 12 Jahren können Eltern ihre Kinder begleiten. Sind die Kinder älter, besteht meist die Möglichkeit, tageweise in der Umgebung untergebracht zu werden.

Familienorientierten Rehabilitation – ein Meilenstein in der Kinder- und Jugendheilkunde
In speziellen Fällen, wie bei einer Krebserkrankung, ist sogar eine sogenannte „familienorientierte Rehabilitation“ (FOR) möglich, wie z.B. im Rehazentrum Leuwaldhof in St. Veit im Pongau. Eltern und die jungen Reha-Patienten sowie evtl. Geschwisterkinder können dort während des Rehaaufenthaltes in einem Familienappartment wohnen – und das ohne Zuzahlungspflicht für Minderjährige und Begleitpersonen. Erste Forschungsergebnisse konnten belegen, dass Kinder sowohl körperlichen als auch seelischen von einem Rehaufenthalt profitieren und sich ihre Lebensqualität deutlich verbessert. Und auch die Eltern kommen mit neuen Energien nach Hause zurück.

Sechs Zentren in vier Versorgungszonen

Die sechs Rehazentren für Kinder und Jugendliche in Österreich in vier Versorgungszonen haben sich auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert, um Heranwachsende bestmöglich betreuen zu können.

Versorgungszone Süd

  • Das Rehazentrum Gratwein(Judendorf)-Straßengel (Steiermark) mit 31 Betten liegt in der Nähe der Landeshauptstadt Graz und hat sich auf “mobilisierende Rehabilitation“ spezialisiert, insbesondere in den Bereichen Neuropädiatrie, Orthopädie, Neurochirurgie, Kinder- und Jugendchirurgie sowie Rheumatologie. Die Reha-Einrichtung versorgt vor allem junge Patienten aus dem Gebiet Österreich Süd (Kärnten, Steiermark, südl. Burgenland). Die Betreuung der Kinder beruht auf einem multimodalen Therapieprogramm, das z.B. neben der Förderung der Beweglichkeit (z.B. nach Operation) auch eine psychologische Betreuung beinhaltet sowie eine Ernährungsberatung erhalten. Eltern können sich im Rahmen von Schulungen über die Krankheit ihres Kindes informieren. Kinder profitieren von modernen Verfahren, wie z.B. dem gewichtsentlastenden Gangtraining auf dem Unterwasserlaufband. Um während des drei- bis vierwöchigen oder längeren Aufenthalts keinen Lernstoff zu versäumen, gibt es einen für jedes Kind individuell zugeschnittenen Unterricht.
  • Das Rehazentrum Wildbad Einöd (Steiermark), zwischen Friesach in Kärnten und Neumarkt in der Steiermark gelegen, betreut Kinder mit Herz-Kreislauf- und Atemwegsproblemen (28 Plätze) sowie mit psychischen Problemen (24 Plätze) individuell und bedarfsgerecht. Um bei einem drei- bis fünfwöchigen Aufenthalt die Bildung nicht zu vernachlässigen, stehen auch hier ein Kindergarten und eine Heilstättenschule zur Verfügung.

Versorgungszone Nord

  • Der Leuwaldhof in St. Veit im Pongau (Salzburg) betreut Kinder mit Stoffwechselerkrankungen (wie Diabetes oder krankhaftes Übergewicht), mit Erkrankungen des Verdauungssystems (wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Zöliakie, funktionelle Bauchschmerzen) und hämato-onkologischen (Blutkrebs) und immunologischen Erkrankungen. Bei letzten beiden Erkrankungen bietet die Rehaeinrichtung eine familienorientierte Reha (FOR) an (insgesamt 82 Betten). Experten kümmern sich im Rahmen eines ganzheitlichen und personalisierten Ansatzes bei ihren jungen Patienten sowohl um körperliche als auch um psychische Krankheitsfolgen. Wie in den anderen Rehaeinrichtungen gibt es eine integrierte Heilstättenschule (bis zur Oberstufe) und einen Kindergarten.
  • Rohrbach (Oberösterreich) betreut schwerpunktmäßig Kinder mit Herz-Kreislaufkrankheiten, Krankheiten der Atemwege (z.B. Asthma), mit motorischen Problemen bzw. Störungen des Bewegungsapparates, neurologischen Krankheiten und psychiatrischen Erkrankungen (u.a. Essstörungen, Traumafolgestörungen, Autismus). 77 junge Patienten und 67 Begleitpersonen haben in der Einrichtung Platz. Ein multiprofessionelles Team betreut Kinder umfassend. Moderne Verfahren und altbewährte Therapien sorgen für eine optimale Behandlung, wie z. B. Wassertherapie und Stimulation der Muskeln mithilfe von Vibrationsplatten und  kipptischen. Eine Heilstättenschule gehört ebenso zur Einrichtung.

Versorgungszone Ost

  • Bad Erlach (Niederösterreich) für Kinder mit Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates, nach kinderchirurgischen oder neurochirurgischen Eingriffen. Auch bei neurologischen und psychiatrischen bzw. psychischen Problemen und Erkrankungen bietet diese Rehaeinrichtung Hilfe - mit 114 Betten. Kinder können dort ebenso einen Kindergarten besuchen und bekommen Schulunterricht. Die Nähe zur Wiener Neustadt erleichtert die Zusammenarbeit mit dem dortigen Landesklinikum und den Schulen vor Ort.

Versorgungszone West

  • Das Rehazentrum Wiesing (Tirol) ist für 2022 mit 22 Plätzen für eine mobilisierende Rehabilitation und 15 Betten für eine psychosoziale Rehabilitation geplant.

Quellen