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Komplementäre Medizin: Eltern sollten Kinder- und Jugendarzt informieren und sich beraten lassen

„Natürliche“ Mittel und andere komplementäre Arzneien, die Eltern verwenden, sind nicht immer sicher und können u.U. mit verschriebenen Arzneien Wechselwirklungen haben oder auch giftige Bestandteile enthalten. Davor warnen amerikanische Kinder- und Jugendärzte (American Pediatric Association) in einer aktuellen Empfehlung. Deshalb sollten Eltern, wenn sie ihren Kindern etwas zusätzlich verabreichen, den Kinder- und Jugendarzt darüber informieren.

Bisher haben etwa 12% der US-Kinder nichtkonventionelle Therapien verwendet, und mehr als die Hälfte dieser Fälle waren für chronische Erkrankungen. Dr. Hilary McClafferty vom Center for Integrative Medicine an der University of Arizona und ihre Kollegen veröffentlichten aus diesem Grund einen Artikel zu diesem Thema in der renommierten Fachzeitschrift „Pediatrics“.

"Die Statistiken zeigen, dass viele Familien heutzutage komplementäre und integrative Behandlungen bei ihren Kindern verwenden, aber nicht mit ihrem Kinder- und Jugendarzt darüber sprechen - aus Angst davor, dass er negativ reagieren könnte", erklärte McClafferty in einem Interview mit MedPage Today. „Wenn Therapien genutzt werden, von denen der Kinder- und Jugendarzt nichts weiß, kann das für das Kind gefährlich werden – es kann zu unerwünschten Reaktionen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Mitteln kommen." Beides sollte aufeinander abgestimmt werden.
Die Autoren der AAP-Empfehlungen verlangen auch zuverlässigere Sicherheitsstandards für komplementäre Therapien bei Kindern. Vielen komplementären Therapien werden heilende Fähigkeiten zur Behandlung von bestimmten Krankheiten zugeschrieben, doch es ist wichtig, dass diese Aussagen auch wissenschaftlich belegt sind.

Während es beispielsweise überzeugende Beweise für die Wirksamkeit von Docosahexaensäure (DHA) in Fischöl in Bezug auf die Verbesserung der Symptome bei Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung bei einigen Kindern gibt, fehlen für andere beliebte Behandlungen Belege für die Effektivität - wie Melatonin für einen guten Schlaf - und bestehen sogar Gesundheitsrisiken. In einigen ayurvedischen pflanzlichen Medikamenten wurden sogar Schwermetalle nachgewiesen.
Kinder- und Jugendärzte können – sofern sie darüber informiert sind -  auf Wechselwirkungen von einigen natürlichen Produkten mit verschreibungspflichtigen Medikamenten achten, die zu unerwünschten Nebenwirkungen führen können. Zum Beispiel kann Johanniskraut - häufig verwendet, um leichte Depression zu behandeln - verschreibungspflichtige Medikamente wie oralen Kontrazeptiva und Anxiolytika (Angstlöser) sowie verschiedene Blutdruck- und Herz-Medikamente in ihrer Wirksamkeit behindern.
"Einige natürliche Produkte haben therapeutische Qualitäten, aber auch potenziell schädliche Effekte", so McClafferty. "Eltern vermuten meist, dass diese Produkte harmlos sind, weil sie aus Pflanzen stammen, aber natürlich bedeutet nicht immer sicher."
McClafferty ergänzte in der Publikation, dass klinische Hypnose, geführte Bilderreisen und Biofeedback nicht bzw. wenig in den Stoffwechsel eingreifen und dass es positive Studienergebnisse dazu gibt. Auch das zählt zur komplementären Medizin, und nicht nur Nahrungsergänzungsmittel oder Kräuter.
"Viele komplementäre Therapien können die Behandlungsmöglichkeiten erweitern bzw. ergänzen, insbesondere für Patienten mit Schmerzen oder chronischen Erkrankungen […]", ergänzte McClafferty. "Der Schlüssel ist es, offen für die Vorteile zu sein und diese gegen mögliche Risiken abzuwägen."

Das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen unterscheidet bei Komplementärmedizin folgende Bereiche:

  • „Mind/Body Medicine“, wie z.B. Meditation, Entspannungstechniken.
  • manuelle Techniken, wie (z.B. alternative Massagetechniken, Shiatsu, Therapeutic-Touch.
  • alternative Bewegungskonzepte, wie z.B. Feldenkrais, Biodanza.
  • Energetische Methoden, wie z.B. Bioresonanz, Biotensor, Prana Energiearbeit.
  • Kräuterheilkunde und Naturheilkunde, die pflanzliche bzw. natürliche Substanzen innerlich und äußerlich einsetzen.
  • Weitere Bereiche, die nicht der Schulmedizin angehören: Anthroposophische Medizin, Homöopathie, Traditionelle Europäische Medizin (TEM), Traditionelle Chinesische Medizin (TCM).

Dort heißt es auch „Wenn derartige Substanzen mit wirksamen Inhaltsstoffen verwendet werden, sind immer auch Nebenwirkungen oder Vergiftungen möglich. Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass nur unwirksame Substanzen frei von potentiellen Nebenwirkungen sein können.“

Quelle: MedpageToday, Medscape Pediatrics, Bundesministerium für Gesundheit und Frauen