Die Meningokokken-B-Impfung wurde in England 2015 in das kostenfreie Impfprogramm für Säuglinge eingeführt, sodass diese jungen Menschen vermutlich noch keinen Schutz besaßen.
„Diese schweren „invasiven“ Meningokokken-Erkrankungen betreffen insbesondere Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche bzw. junge Erwachsene. Ein Viertel der Fälle betreffen Kinder im ersten Lebensjahr, deshalb ist es so wichtig, dass neben Jugendlichen auch Kinder möglichst früh geimpft werden. In der klinischen Praxis ist bei einem Kind mit Fieber, wenn alle empfohlenen Impfungen einschließlich der Meningokokken-Impfungen erfolgt sind, das Risiko einer schweren Erkrankung äußerst gering“, betont PD Dr. Hans Jürgen Dornbusch, Kinder- und Jugendarzt mit Ordination in Graz und Leiter des Referats Impfkommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Das Gefährliche an einer Meningokokken-Infektion ist, dass sie in sehr kurzer Zeit lebensbedrohlich werden kann, eine antibiotische Therapie oft zu spät kommt und ein Erkrankter daher sehr rasch intensivmedizinisch behandelt werden muss. In einigen europäischen Ländern wurden bereits Resistenzen gegen Antibiotika beobachtet.
Fünf Serogruppen (A, B, C, W und Y) sind für die meisten schweren Meningokokken-Erkrankungen verantwortlich. In Österreich spielt die Serogruppe B bei Kleinkindern und Jugendlichen die größte Rolle, gefolgt von der Serogruppe C. Deshalb wird die Meningokokken-B-Impfung möglichst früh ab dem vollendeten 2. Lebensmonat und die Meningokokken-ACWY-Impfung im 13. Lebensmonat (ab 2 Monaten möglich) empfohlen. Beide Impfungen sind kostenpflichtig. Erst im Jugendalter (11. bis 13. Lebensjahr) steht Österreichern eine Impfung gegen Meningokokken ACWY kostenfrei zur Verfügung. Die Meningokokken-B-Impfung muss weiterhin privat bezahlt werden.
„Eltern sollten regionale Impfaktionen mit vergünstigten Preisen nutzen“, rät PD Dr. Dornbusch.
Unter www.gesundheit.gv.at/service/beratungsstellen/gesund-leben/gesundheitsvorsorge1/impfen.html können sich Eltern über aktuelle Impfaktionen informieren.
Viele tragen die Bakterien – ohne es zu merken
Etwa 10–20 % der Bevölkerung tragen Meningokokken im Nasen-Rachen-Raum, ohne zu erkranken. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Schleimhaut am häufigsten besiedelt, während sehr junge Kinder seltener Träger sind, aber aufgrund ihres noch nicht voll entwickelten Immunsystems ein hohes Risiko haben besonders schwer zu erkranken. Die Übertragung erfolgt meist von den älteren Geschwistern, den Eltern oder in Kinderbetreuungsstätten.
Etwa eine/r von zehn Erkrankten stirbt und eine von vier infizierten Personen entwickelt schwerwiegende, bleibende Komplikationen, wie den Verlust von Gliedmaßen, andere Organschäden, Epilepsie oder Lernschwierigkeiten.
Im Jahr 2024 wurden in der Europäischen Union/ im Europäischen Wirtschaftsraum 2.263 Fälle gemeldet - 202 mit tödlichem Ausgang. In Österreich hat sich die Zahl der invasiven Meningokokken-Erkrankungen 2025 im Vergleich zum Vorjahr von 15 auf 32 Fälle verdoppelt.
Wasserglastest bei Ausschlag
„Anfangs treten unspezifische Symptome auf, wie Kopfschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen, hohes Fieber, Schüttelfrost, kalte Hände und Füße. Der Zustand eines Erkrankten verschlimmert sich rasch und kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden. Babys erscheinen blass, schlaff und lethargisch oder schreien schrill und verweigern die Nahrung. Die Fontanelle kann vorgewölbt sein. Verwirrtheit, steifer Nacken, Krämpfe, Lichtempfindlichkeit und starke Schläfrigkeit sind Alarmzeichen. Als Frühzeichen einer Sepsis können dunkelrot-bläuliche, anfangs nur stecknadelkopfgroße Hautflecken auftreten, die auch unter Druck, z. B. mit einem Wasserglas nicht verblassen. In diesem Fall sollte das Kind sofort in ein Krankenhaus gebracht werden“, rät PD Dr. Dornbusch. Die „Meningokokken-Flecken“ auf der Haut bilden sich, wenn Bakterien in die Blutbahn eindringen und die Gifte, die sie produzieren, die Blutgefäße schädigen. Blut tritt aus den Gefäßen aus, was an der Haut zu den beschriebenen, charakteristischen Herden führt. Die häufigen Ausschläge im Rahmen von meist banalen Virusinfektionen verblassen bei Druck.
Die Weltgesundheitsorganisation hat das Ziel, bis 2030 invasive Meningokokkenerkrankungen durch Einsatz der hochwirksamen Impfstoffe um 50% und die Zahl der Todesfälle um 70% zu senken. Dafür sollen Impfbarrieren, wie z.B. Kosten, abgebaut werden. In Europa bieten dem ECDC zufolge bereits 12 Länder die Meningokokken-B-Impfung und 9 Länder die Meningokokken ACWY-Impfung schon im Säuglings- bzw. Kleinkindalter kostenfrei an.
Quellen:
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- WHO. Defeating Meningitis by 2030. 26.04.2024.
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