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Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde rät dringend zur Impfung gegen krebserregende Humane Papillomviren (HPV-Impfung)

Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) rät dringend zur HPV-Impfung, die vor einer Infektion mit den krebserregenden Humanen Papillomviren (HP-Viren) schützt. Vier von fünf Personen stecken sich im Laufe ihres Lebens mit HP-Viren an, und dies meist, ohne es zu wissen, so die Österreichische Krebshilfe [8].

© photophonie - Fotolia.com

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Bestimmte HP-Viren können Gebärmutterhalskrebs, Krebserkrankungen der Scheide, der weiblichen Scham (Vulva), des Penis und des Darmausgangs (Anus) und Krebsformen im Bereich des Rachens und des Kehlkopfes auslösen. Zwar kann die Infektion ebenso unbemerkt wieder ausheilen, doch wenn sie anhält, kommt es zu Zellveränderungen und es kann sich Krebs bilden. „Die Hauptübertragung der HP-Viren erfolgt durch sexuelle Kontakte, doch auch durch enge Kontakte wie über die Haut können die Viren übertragen werden. Ein Kondom bietet deshalb keinen vollständigen Schutz. Die HPV-Impfung gewährt die größte Sicherheit, wenn Buben und Mädchen beide erforderlichen Immunisierungen noch vor Beginn der sexuellen Aktivität erhalten“, erklärt Univ.-Prof. Dr. med. univ. Werner Zenz, Forschungseinheitsleiter der Forschungseinheit für Infektiologie und Vakzinologie der medizinischen Universität Graz sowie Leiter des Referats Impfkommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). HP-Viren sind ziemlich widerstandsfähig gegenüber häufig verwendeten Desinfektionsmitteln mit Ethanol und Isopropanol (Händedesinfektion und Oberflächenreinigung), gegenüber Säure, Trockenheit und Hitze. Sogar bei bis zu 50°C können sie bis zu 60 Minuten überleben [2].

Australien hofft, Gebärmutterhalskrebs in wenigen Jahrzehnten auszurotten

In Australien wird die Impfung seit 2007 flächendeckend und kostenfrei in Schulen für Mädchen und seit 2013 zusätzlich für Jungen angeboten. Bei hohen Durchimpfungsraten von über 70% verringerten sich 7 Jahre nach Einführung der Impfung die Fälle von Krebsvorstufen des Gebärmutterhalskrebses um mehr als die Hälfte (54%) [11]. Studien zeigen, dass Australien auf dem besten Weg ist, als erstes Land der Welt Gebärmutterhalskrebs durch die Kombination von Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen zu eliminieren [5].

„Ziel ist es, dass auch in Österreich möglichst viele Kinder das kostenlose HPV-Impfprogramm nutzen. Bei Gebärmutterhalskrebs ist die Impfung – neben den Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt – eine sichere Prävention vor den meisten HPV Infektionen“, so Univ.-Prof. Dr. med. univ. Werner Zenz. Nach den Angaben des ICO/IARC HPV Information Centre, das weltweit Daten zu HPV sammelt, gilt Gebärmutterhalskrebs als die vierthäufigste Krebsart bei Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahre in Österreich [4].

Geringer Einsatz für eine besser Gesundheit

Neben Gebärmutterhalskrebs können auch andere HPV-bedingte Krebsfälle durch die nachweislich sichere Impfung verhindert werden. „Mögliche Nebenwirkungen wie leichte Hautrötungen oder Schwellungen sind im Vergleich zu einer Krebserkrankung vernachlässigbare Beschwerden“, gibt Univ.-Prof. Dr. med. univ. Werner Zenz zu bedenken.

Andere HPV-bedingte Krebsformen im Bereich der Geschlechtsorgane (u.a. Penis, Scham-/Scheidenbereich) und des Anus (Darmausgang, After) sind insgesamt zwar selten, nehmen jedoch anscheinend in den Industrienationen zu [6]. Mittlerweile gehen Experten zudem davon aus, dass bei bestimmten Tumoren im Kopf-Halsbereich ebenso HP-Viren beteiligt sind, insbesondere bei Zungen- und Mandelkrebs [4].

Kostenlose Impfung nutzen

Der Impfplan empfiehlt eine erste HPV-Impfung ab dem 9. Geburtstag, die zweite sollte nach einem halben bis zu einem Jahr erfolgen. Ist der Impfzyklus bis zum 12. Lebensjahr abgeschlossen, ist er kostenlos. Impfungen können Kinder im Rahmen von Schulimpfprogrammen (4. Klasse), an den öffentlichen Impfstellen, in einigen Bundesländern auch bei registrierten, niedergelassenen Ärzten erhalten. Ab dem vollendeten 15. Lebensjahr sind 3 Teilimpfungen erforderlich, die selbst bezahlt werden müssen. Nur in Niederösterreich und im Burgenland gibt es bis zum vollendeten 26. Lebensjahr eine Vergünstigung für die Impfung, informiert die Österreichische Krebshilfe in ihrer Borschüre „HPV-IMPFUNG GEGEN KREBS. HUMANE PAPILLOMAVIREN (HPV) KÖNNEN KREBS AUSLÖSEN(kostenloser Download unter: https://www.krebshilfe-wien.at/uploads/tx_brochure/HPV_2019.pdf) [8].

Quellen:

  1. Arbyn, M, et al.: Prophylactic vaccination against human papillomaviruses to prevent cervical cancer and its precursors. Cochrane Database of Systematic Reviews Issue 5. Art. No.: CD009069 (2018).
  2. Boandl, A.: HPV – Humanes Papilloma Virus. Bachelorarbeit Univ. Graz. Matrikelnummer 0631435. Graz, Oktober 2012.
  3. Boiron, L. et al.: Estimating the cost-effectiveness profile of a universal vaccination programme with a nine-valent HPV vaccine in Austria. BMC Infect Dis. 16, 153 (2016).
  4. Bruni L, et al. (ICO/IARC Information Centre on HPV and Cancer [HPV Information Centre] ed.): Human Papillomavirus and Related Diseases in Austria. Summary Report 10 December 2018. [Accessed 7.3.19]
  5. Hall, M. T. et al.: The projected timeframe until cervical cancer elimination in Australia: a modelling study. Lancet Public Health 4, e192019 (2019).
  6. Kang, Y.-J. et al.: Anal cancer in high income coutries: Increasing burden of disease. PLOS ONE 13 (10), e0205105 (2018).
  7. Nguyen-Huu, N.-H. et al.: P2170 Human papillomavirus vaccination coverage and policies across 31 EU/EEa countries. 28th ECCMID – European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases. Madrid, Spain 21-14 April 2018.
  8. Österreichische Krebshilfe: HPV-Impfung gegen Krebs. Wien 2019.
  9. Robert Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Erreger und Impfung. HPV. Stand: 28.06.2018.
  10. Ruiz-Sternberg, Á. M. et al: Efficacy, immunogenicity, and safety of a 9-valent human papillomavirus vaccine in Latin American girls, boys, and young women. Papillomavirus Res. 5, 63 (2018).
  11. Uhart, M. et al.: Loss of chance associated with sub-optimal HPV vaccination coverage rate in France. Papillomavirus Res. 2017 3, 73 (2017).

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Dies ist eine Pressemeldung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.at. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des ÖGKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.