Stillen wirkt sich positiv auf Babys Schlaf aus

In einer umfangreichen Studie mit fast 83.000 Mutter-Baby-Paaren konnten japanische Forschende nachweisen, dass Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten neben vielen anderen positiven Effekten auch das Risiko für eine zu kurze Schlafdauer im Alter von einem Jahr verringerte. Sie hatten gestillte Säuglinge mit solchen, die Fläschchennahrung erhielten, verglichen. Je länger die Babys gestillt wurden, desto geringer war das Risiko, dass sie zu wenig schliefen.

„Erholsamer und ausreichend langer Schlaf ist für die gesunde Entwicklung von Kindern sehr wichtig. Zu wenig Schlaf im Säuglingsalter kann später Übergewicht begünstigen, sich negativ auf Schulleistungen auswirken und das Risiko für Hyperaktivität sowie Verhaltensauffälligkeiten erhöhen“, verdeutlicht A.Univ.-Prof. Dr. Daniela Karall, IBCLC, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Sie ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und u.a. auch eine international zertifizierte Still- und Laktationsberaterin (IBCLC: International Board Certified Lactation Consultant) – also Expertin rund um das Thema Stillen.

Neugeborene benötigen täglich bis zu 18 Stunden Schlaf  – jeweils 3 bis 4 Stunden am Stück. Säuglinge (4 bis 12 Monate) brauchen etwa 12–16 Stunden Schlaf, Kleinkinder (1 bis 2 Jahre) etwa 11–14 Stunden.

Nährstoffgehalt der Muttermilch als beeinflussender Faktor vermutet

Warum Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten zu einem verringerten Risiko für eine kurze Schlafdauer im Alter von einem Jahr führt, ist nicht erforscht. Die japanischen Expert*innen haben die Theorie, dass der Nährstoffgehalt der Muttermilch eine Rolle spielt. Sie erklären dies mit drei Mechanismen, die evtl. auch ineinandergreifen.

Die Wissenschaftler*innen verglichen deshalb Säuglingsanfangsnahrung (Formulanahrung) und Muttermilch. Ein wesentlicher Unterschied ist demnach das Vorhandensein (Muttermilch) oder Fehlen (Formulanahrung) von Melatonin. Melatonin reguliert den Tag-Nacht-Rhythmus (zirkadianer Rhythmus), verbessert die Schlafqualität, fördert das Einschlafen und unterstützt die Hirnreifung. „Melatonin wird in der Zirbeldrüse produziert. Neugeborene können zunächst kaum eigenes Melatonin herstellen, da sich ihre Zirbeldrüse noch in der Entwicklung befindet. Muttermilch enthält Melatonin, während es in Formulanahrung praktisch nicht vorhanden ist“, erläutert A.Univ.-Prof. Dr. Karall, IBCLC.

Ein weiterer Faktor könnte den japanischen Forschenden zufolge Tryptophan sein. Tryptophan wird in der Zirbeldrüse über Serotonin zu Melatonin umgewandelt und ist an der Ausbildung zirkadianer Rhythmen beteiligt. Tryptophan ist eine essenzielle Aminosäure; da der Körper sie nicht selbst synthetisieren kann, erfolgt die Aufnahme bei Säuglingen hauptsächlich über Muttermilch oder Formulanahrung. Die Tryptophan-Konzentration in der Muttermilch steigt nachts an, während sie in der Formulanahrung konstant bleibt. Daher ist es wahrscheinlich, dass Säuglinge, die Tryptophan über Muttermilch aufnehmen, zirkadiane Rhythmen früher entwickeln als solche, die es über Formulanahrung erhalten, was sich wiederum auf die Schlafdauer im Alter von einem Jahr auswirkt.

„Bereits bekannt ist, dass Stillen die Entwicklung einer gesunden Darmflora des Babys fördert. Der menschliche Körper verfügt über ein System, die sogenannte Darm-Hirn-Achse, die einen Informationsaustausch in beide Richtungen zwischen Darm und Gehirn ermöglicht. Auch die Darmflora kann möglicherweise die neurologische Entwicklung und den Schlaf von Kindern beeinflussen“, beschreibt A.Univ.-Prof. Dr. Karall den dritten Weg, wie Muttermilch einen gesunden Schlaf fördern könnte.

Nicht nur das Baby, sondern auch die Mutter spielt für den Zusammenhang zwischen Stillen und Schlaf eine wichtige Rolle.

Depressivität lässt erschöpfte Mütter eher zur Fläschchennahrung greifen

Müdigkeit ist in der Zeit nach der Geburt weit verbreitet, insbesondere bei Erstgebärenden. Einige Mütter vermuten, dass die Müdigkeit mit dem Stillen zusammenhängt. Eine belgische Studie ergab, dass sich die Schlafqualität und Schlaflosigkeit sowohl bei Fläschchennahrung als auch beim Stillen nicht wesentlich unterscheiden. Insbesondere Frauen, die depressive Symptome mit Erschöpfung aufwiesen, neigten demnach dazu, mit dem Stillen früher aufzuhören. Auch andere Studien beobachteten, dass junge Mütter mit depressiven Symptomen tendenziell früher mit dem Stillen aufhören.

Frühzeitig Kinder- und Jugendärztin / Kinder- und Jugendarzt bei Problemen ansprechen

„Eltern sollten ihre Kinder- und Jugendärztin / ihren Kinder- und Jugendarzt ansprechen, wenn das Baby anhaltende Schlafprobleme zeigt. Manchmal können auch Krankheiten die Ursache sein. Leidet das Baby unter einer Regulationsstörung, d.h. unter Schrei-, Schlaf- und Fütterstörungen, kann die Pädiaterin / der Pädiater Eltern evtl. an eine Spezialambulanz überweisen“, erklärt A.Univ.-Prof. Dr. Daniela Karall.
Sind junge Eltern überfordert und/oder leidet eine Mutter unter depressiven Symptomen, können „Frühe Hilfen“ Unterstützung anbieten. Eine Familienbegleiterin klärt, was Familien brauchen – von Hilfe bei organisatorischen und sozialen Problemen bis hin zur Vermittlung zu Psychotherapie, Psychiatrie oder Sozialdiensten.

Mit Routinen Baby aufs Schlafen vorbereiten

Neugeborene müssen alle paar Stunden gefüttert werden. Sie besitzen einen sehr kleinen Magen, aber benötigen viel Energie, um ihr schnelles Wachstum und ihre Entwicklung zu unterstützen. Mit zunehmendem Alter können Babys tagsüber größere Mengen an Kalorien aufnehmen und verwerten, sodass sie nachts weniger Mahlzeiten benötigen. Dann können sie sich auch langsam an den Tag-Nacht-Zyklus anpassen. Im Alter von vier bis sechs Monaten beginnt sich ihr Schlafmuster dem von Erwachsenen immer stärker anzunähern. „Dann kann das Baby bestimmte Dinge, die sich wiederholen, mit der Schlafenszeit verbinden, z.B. das Kinderbett, in das es gelegt wird, als Ort zum Schlafen. Beruhigende Aktivitäten eignen sich als vorbereitende Routinen, wie zum Beispiel Vorlesen“, ergänzt A.Univ.-Prof. Dr. Daniela Karall. 

Weitere Informationen rund um einen gesunden Babyschlaf sowie praktische Tipps finden Eltern in der ÖGKJ-Broschüre  „Hat mein Kind Schlafprobleme?“  Bei anhaltenden Schlafproblemen sollten Sie Ihre Kinder- und Jugendärztin bzw. ihren Kinder- und Jugendarzt ansprechen.

Quellen:

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Dies ist eine Pressemeldung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.at. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des ÖGKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.