Warum Hitze im Sommer Harnwegsinfektionen begünstigen könnte

Bei Hitze verlieren Kinder genauso wie Erwachsene Flüssigkeit. Trinken sie nicht entsprechend mehr, bilden sie weniger Harn und gehen möglicherweise seltener zur Toilette.

© Julia - stock.adobe.com

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„Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützt eine regelmäßige Harnproduktion und Blasenentleerung. Ausreichendes Trinken und regelmäßige Toilettengänge gehören daher insbesondere bei Kindern mit Neigung zu Harnwegsinfektionen zu den empfohlenen vorbeugenden Maßnahmen.“, erklärt Priv.-Doz.in Dipl.oec.troph.in Dr.in Sabine Scholl-Bürgi, Leiterin des Referats Nachhaltigkeit und Umweltschutz der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ).

Auch epidemiologische Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen hohen Temperaturen und Harnwegsinfektionen hin. Eine chinesische Studie fand beispielsweise Zusammenhänge zwischen meteorologischen Faktoren wie Temperatur, Sonnenscheindauer und Niederschlag und dem Auftreten pädiatrischer Harnwegsinfektionen sowie einzelnen nachgewiesenen Erregern. Welche Mechanismen dahinterstehen, ist bislang nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden unter anderem Veränderungen des Flüssigkeitshaushalts und der Harnproduktion bei Hitze sowie ein möglicher Einfluss höherer Temperaturen auf das Wachstum und die Vermehrung von Bakterien. 

Anzeichen einer Harnwegsinfektion sind je nach Alter unterschiedlich

Bei Säuglingen und kleinen Kindern können Harnwegsinfektionen sehr unspezifische Beschwerden verursachen; Fieber kann dabei ein wichtiges oder sogar das einzige auffällige Anzeichen sein. Der Harn kann auffällig riechen, wobei der Geruch allein kein verlässliches Zeichen für eine Harnwegsinfektion ist. Manchmal kommen Trinkunlust, Erbrechen und Durchfall hinzu. Bei älteren Kindern treten eher typische Beschwerden wie häufiger oder plötzlicher Harndrang, Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen sowie Unterbauchschmerzen auf.

„Steigt die Infektion bis zu den Nieren auf, kann sich eine Nierenbeckenentzündung entwickeln. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern sowie bei bestimmten Risikofaktoren können dabei in seltenen Fällen bleibende Veränderungen des Nierengewebes entstehen. Bei Verdacht auf eine Harnwegsinfektion sollte das Kind kinderärztlich untersucht werden, insbesondere bei Fieber, reduziertem Allgemeinzustand oder bei Säuglingen“, rät Priv.-Doz.in Dipl.oec.troph.in Dr.in Sabine Scholl-Bürgi, geschäftsführende Oberärztin am Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Pädiatrie I (u.a. mit den Fachabteilungen Nephrologie und Infektiologie), der Medizinischen Universität Innsbruck. Wird eine bakterielle Harnwegsinfektion festgestellt, richtet sich die antibiotische Behandlung nach Alter, Schweregrad und Form der Infektion.

Harnwegsinfektionen werden bei Kindern in der Regel durch Bakterien verursacht. Bei Neugeborenen und jungen Säuglingen sind Jungen häufiger betroffen, später überwiegen Harnwegsinfektionen bei Mädchen.

Bei Hitze und Schwitzen Trinkmenge anpassen

Hitzewellen und Tropennächte haben in Österreich deutlich zugenommen. Die Zahl der Hitzetage (Tageshöchsttemperatur ≥ 30 °C) hat sich in Österreich in den vergangenen Jahrzehnten etwa verdoppelt bis verdreifacht.

Kinder reagieren besonders empfindlich auf Hitzebelastung und damit verbundene Flüssigkeitsverluste. Im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht ist ihr Wasserbedarf höher als bei Erwachsenen. Aufgrund ihrer besonderen Thermoregulation und ihrer im Verhältnis zum Körpergewicht größeren Körperoberfläche reagieren sie zudem empfindlicher auf hohe Temperaturen und Flüssigkeitsverluste. Bei Hitze und körperlicher Aktivität steigt daher der Flüssigkeitsbedarf.

Wichtig ist: Ausschließlich gestillte Säuglinge benötigen auch bei großer Hitze normalerweise kein zusätzliches Wasser. Sie sollten häufiger und nach Bedarf gestillt werden. Auch bei ausschließlich mit Säuglingsanfangsnahrung ernährten Säuglingen ist zusätzliches Wasser in der Regel nicht erforderlich; die Nahrung sollte weiterhin entsprechend den Herstellerangaben zubereitet werden.

Richtwerte für die tägliche Trinkmenge

Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) nennen folgende Richtwerte für die tägliche Trinkmenge, die Kinder – verteilt über den Tag – zu sich nehmen sollten. Die folgenden Werte sind Orientierungswerte für die tägliche Getränkezufuhr unter üblichen Bedingungen. Bei Hitze, starkem Schwitzen oder körperlicher Aktivität kann der Flüssigkeitsbedarf deutlich höher sein.

Alter in Jahren

1 bis 3

4 bis 6

7 bis 9

10 bis 12

13 bis 14

15 bis 18

Menge in ml pro Tag

820

940

970

1.170

1.330

1.530

 

Quellen:

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